Werbung für das Unaussprechliche

Wenn wir ehrlich sind, kann man sich der Wirkung der Werbung kaum entziehen. Jeder von uns hat sicherlich schon einmal ein Produkt erworben, weil ihm das Marketing dafür gefiel, obwohl überhaupt kein konkreter Bedarf bestand.

Sind wir deshalb dumm oder einfach zu leicht manipulierbar? Nein, den schließlich ist das Bewerben von Produkten jeglicher Couleur ein Milliardengeschäft und viele sehr kluge und hochbezahlte Köpfe beschäftigen sich jeden Tag damit, uns zu locken und Zugriff auf den Inhalt unserer Geldbörse zu erlangen.

Ich will mich aber heute hier mit einem ganz speziellen Bereich der Werbung befassen, weil ich ein paar Werbespots gesehen habe, die sich mit einem Produkt befassen, über welches in der Öffentlichkeit kaum geredet wird, obwohl es jeder Mensch in diesem Lande sein Eigen nennt.

Die Rede ist vom Klobecken, jenem Artikel aus Keramik in dem wir unsere Notdurft verrichten, oder auch unseren Kopf hineinstecken, wenn wir zu viel Feuerwasser getrunken haben.

Ansonsten aber hüllen wir den Mantel des Schweigens über die gesamte Thematik, eines der letzten Tabuthemen, die in unserer Gesellschaft noch bestehen.

Wie bewirbt man also zeitgemäß eine moderne Variante dieses mehr als notwendigen Gegenstandes, über den aber eigentlich niemand reden möchte?

Die Firma Geberit zeigt uns in einer Serie von kurzen Werbespots aktueller Machart, wie eine mögliche Alternative dazu aussehen könnte.

Beworben wird ein Luxusmodell mit Warmluftgebläse, Warmwasserfontäne, Licht, Turbo- Spülung und Geruchsabsaugung, die an Stangen und Greifarmen aus der Tiefe des Beckens scheinbar ferngesteuert auftauchen, um ihrem Tageswerk nachzugehen.

Wer könnten die Nutzer eines solchen High- Tech-Klos sein? Die verantwortliche Werbeagentur hat uns hier ein ausgewogenes Potpourri moderner Menschen zusammengestellt, welches auch aus Gründen der Diversität der heutigen Gesellschaft keinerlei Wünsche offen lässt. Die Kampagne scheint schon ein wenig älter zu sein, ich habe diese Videos aber gerade erst entdeckt.

Da gibt es die nicht mehr ganz so junge Dame, deren Haare sich im Wind bewegen, als sie sich auf ein stilisiertes Geberit- Produkt setzt, selbstverständlich mit ordnungsgemäß platziertem Beinkleid, aber ohne Schuhe.

In einem weiteren Spot springt ein Vertreter der People of Color tänzelnd ins Blickfeld, um sich nach ein paar Sekunden ebenfalls auf das Becken zu setzen, er scheint mehr als cool zu sein, trägt Sonnenbrille auf dem WC, keine Socken und erklärt: „I do it with style!“

Mein Favorit ist jedoch der ältere, bereits vollkommen ergraute Mann im mediterranen Style mit offenen Hemd, Sneakers, Bart und Smartphone, der nach dem Setzen auf das Becken erklärt: „I only (s)wipe my smartphone!“

Dieser Satz brachte das Fass zum Überlaufen, und nahm mir gleichzeitig die Entscheidung ab, mich weitergehend mit diesem Sanitärartikel zu beschäftigen.

Jeder von uns, der je eine überfüllte Bar am Wochenende, eine Kneipe oder auch den Toilettenbereich eines internationalen Flughafens aufsuchen musste, weiß wie erbärmlich und magenumdrehend der Zustand dieser Institution sein kann.

Auch ich selber kämpfe schon seit Jahrzehnten gegen sich ständig bildende Kalkränder und Krusten in versteckten Bereichen, wie lange soll da die Filigrantechnik durchhalten?

Auch verspeise ich gern eher deftige Nahrung, zu oft leider auch ziemlich maßlos, die in der Folge Ausscheidungen unterschiedlichster Konsistenz, manchmal auch in kaum zu glaubenden Mengen produziert, deren Spuren nur schwer zu entfernen sind, und einen enormen Verbrauch an geeignetem Wischpapier mit sich bringt. Was geschieht mit den Sprüharmen, wenn noch ein unerwarteter Nachzügler erscheint, und die Düsen verstopft? Wer macht dann den ganzen „Scheiß“ sauber? Wohin wird der üble Geruch gesaugt? Will ich überhaupt ein WC, das mich nach dem Pinkeln im Sitzen zurück anpinkelt?

Nein, da bin ich dann doch lieber konservativ, und bleibe für den Rest meines Lebens beim passiven Standardmodell mit Unterputzspülkasten von der gleichen Firma, und kaufe mir alle paar Monate eine neue Klobürste!

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