Linien im Park

Eine Nachricht aus meiner Heimatstadt Berlin ließ mich aufhorchen, ich musste mich mehrfach informieren, um den Sachverhalt auch genau zu verstehen.

„Dealer-Zonen“ im Görlitzer Park sollten eingerichtet, und durch rosafarbene Farbmarkierungen gekennzeichnet werden, damit Nutzer dieser wunderbaren Parkanlage, die nicht unbedingt am direkten Erwerb von ein paar Gramm Schwarzer Afghane oder Grüner Marokkaner, herbei geschmuggelt im Darmtrakt unbekannter Kleindealer, interessiert sind, durch den Eifer fleißiger Händler belästigt werden.

Natürlich ging sofort das Geschrei von allen Seiten los, konservativ denkende Menschen sahen in diesen „Freihandelszonen“ schon den Untergang der Zivilisation heraufziehen,weil man Verbrechen und illegalem Handel, Teile des öffentlichen Raumes ungestraft überlässt. Anhänger vom anderen Ende des politischen Spektrums sahen die Bereicherung des multikulturellen Miteinanders bedroht, da die Drogenhändler hauptsächlich aus afrikanischen Staaten stammen.

Für mich jedoch war die Nachricht der Linienziehung ein ungeheurer Ausdruck einer sich anbahnenden Diskriminierung einer ganzen Menschengattung gegenüber, die ihresgleichen sucht.

Da wollte man die Menschen doch tatsächlich einhegen, durch virtuelle rosafarbene Begrenzungslinien! Bis hierher und nicht weiter, wie ein gefährliches Tier im Zoo! Abgetrennt, wie eine Lustbarkeit längst vergangener Tage, wie bei den Völkerschauen zu Zeiten, als Deutschland noch einen Kaiser hatte.

Und just in dem Augenblick, als ich meine Wangen vor Entrüstung auf maximale Größe aufblasen wollte, kam die Entwarnung in Form eines neuen Zeitungsbeitrages als Retter in der Not. Die Berliner Tageszeitung „Der Tagesspiegel“ berichtet von einem nicht durchdachten Schnellschuss eines untergeordneten Mitarbeiters im Außendienst, die Idee des Ausbringens von Farbmarkierungen sei nicht mit dem Bezirksamt abgestimmt gewesen, und müsse erst einmal in noch zu bildenden Gremien ausgiebig diskutiert werden.

Leider hatte es da scheinbar aber schon einen der hart arbeitenden Männer erwischt, bei einer heftigen verbalen Diskussion unter den Handelstreibenden über die Sinnhaftigkeit der beabsichtigten Linienführung, führte dann doch einer der Teilnehmer vorab nicht abgesprochene Stichbewegungen mit einem Schneidwerkzeug ähnlichem Gegenstand aus, und eine nicht näher beschriebene unglückliche Seele landete nach heftigem Blutverlust in der Obhut des hiesigen Gesundheitswesens.

Linien 1 Mai 2019_00000

Vorerst befreit von Unsinn der rosaroten Linien, möchte ich vor Freude noch ein frühlingshaftes Bild von meinem Balkon veröffentlichen, worin auch ein wenig rosapinkige Farbe vorkommt!

Ein Gedanke zu “Linien im Park

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