Ein richtiger Schweinehund!

Ja, damit meine ich mich persönlich. Vollkommen verantwortungslos bewege ich mich durch mein tägliches Leben, ohne nach rechts und links zu schauen, mit einer Rücksichtslosigkeit, die ihresgleichen sucht.

Schon direkt nach dem Aufstehen stellt sich dieses totale Unverständnis gegenüber meiner Umwelt und meinen Mitmenschen ein. Ich trinke ein Tasse Kaffee, ohne an die Herkunft der verwendeten Bohnen, und das  Schicksal der Pflücker auf den Plantagen zu denken, ich putze mir im Anschluss die Zähne mit meinem blauen Lieblingsgel, ohne mir Gedanken über die in den Abfluss gespülten Nanopartikel aus Kunststoff zu machen, die als Schleifmittel meine Zähne blitzen lassen, und nur ein wenig später im Magen einer gemeinen Ukelei oder einer Renke zu Unpässlichkeiten in deren Magenbereich führen.

Danach setze ich mich auf meinen ergonomisch geformten Sessel mit Echtlederbezug im Loungestyle, ohne auch nur im Geringsten über das damalige Leid des gehörnten Hautlieferanten nachgedacht zu haben, schalte den Computer ein, und mache mit ebenfalls keinen Kopf über die Herkunft und die ideologische Korrektheit der Elektrizität, die mir bunte Bilder aus aller Welt auf den Bildschirm zaubert.

Und so geht es denn ganzen Tag, ein wunderbares Essen, eigenhändig zubereitet, bestehend aus grünen Gurken für € 0,29.- Cent das Stück, Putenschnitzel für € 5,79.- für das ganze Kilogramm und ein Riesenbüschel Petersilie vom türkischen Händler für weniger als eine Währungseinheit, geschützt durch eine kostenlose Plastiktüte, zeigen gnadenlos auf, wie sehr ich mich auf dem schmalen Grat zwischen Vergehen und Verbrechen bewege, ohne die Zukunft unseres blauen Planeten im Sinn zu haben.

Und dann fahre ich auch noch Auto, fliege mit dem Billigflieger nach Lissabon, England oder Valencia, kaufe eine neue Bettdecke aus verfluchter Mikrofaser und erwerbe meine Heidelbeeren in der Plastikverpackung mit separater Luftpolsterfolie zum Schutze der leckeren Beeren, im Winterhalbjahr aus gern importiert ais einem der aufstrebenden Andenstaaten.

Schlimmer geht es kaum, Tag für Tag, Jahr für Jahr, eine Leben gegen die Vernunft, gegen den Anstand eines würdigen Lebens.

Dazu kommt noch eine geradezu perfide Gleichgültigkeit anderen Menschen gegenüber, auch die vermeintlich Schwachen und Hilfsbedürftigen überziehe ich gedanklich mit Hohn und Spott, in dem ich sie einfach ignoriere, mit Nichtbeachtung strafe. Ich sehe beim Anblick eines Obdachlosen keinen gefallenen Engel, an dessen Schicksal ausschließlich die Gesellschaft Schuld hat, sondern einen heftigen Trinker mit grobporiger Nase, der rülpsend an zentraler Stelle im Einkaufszentrum sitzt, und alle zwei Stunden oder so, seine Notdurft in die ohnehin schon kümmerliche Blumenrabatte verrichtet.

In meiner Gedankenwelt gibt es auch  keinen Platz für Kinder muslimischen Glaubens, die geschwächt durch monatelange Fastenzeiten im Mathematikunterricht den Satz des Pythagoras schon im Ansatz nicht mehr verstehen.

Fast ohne Empathie vernehme ich auch traurige Nachrichten, das Ableben eines berühmten Kletterers am Berg, von den Medien als Künstler und Mathematiker an der Gesteinsformation gepriesen, lässt mich eher über Selbstüberschätzung und sinnloser Jagd nach Sponsorengeldern sinnieren.

Unendlich lang die Liste meiner Verfehlungen, die sich ohne jegliche Probleme beliebig verlängern ließe.

Gott sei Dank, gibt es aber genug engagierte Menschen, die für mich mitdenken, versuchen die fatalen Auswirkungen meines Handelns auf unseren Planeten zumindest etwas einzudämmen.

Claudia Roth, zum Beispiel, ganz oben auf meiner persönlichen Liste des Respektes anderen Menschen gegenüber, scheut keine Mühen und Steuerzahlers Kosten und begab sich im Februar diesen Jahres bis nach Kiribati, einem winzig kleinen Atoll in den Weiten des Pazifiks, um mit mächtigem ausgestreckten Oberarm in Richtung des Klimawandels zu deuten.

41.000 Kilometer Wegstrecke in der Businessklasse nahm sie dafür auf sich, und deutet damit gleichzeitig mein Desinteresse der Umwelt gegenüber an, wenn ich mit meinen zweitausend Kilometern für einem Wochenendtrip nach London die Atmosphäre mit giftigen Emissionen schädige.

Aber auch schon unsere Jüngsten zeigen mir deutlich mein Verfehlungspotenzial auf, Greta, mein Lieblingsteenager, und ihre Familie, veröffentlichen gerade eine Publikation in Buchform, die Abbildungen enthält, welches die ungeheure Distanz der jungen Aktivistin zum normalen Leben schon im Staus eines Kleinkindes aufzeigt. Das ist ein nicht zu überbietender Einsatz für unsere Zukunft, der diese Leute aufzuzehren scheint, ohne je eine Sekunde an persönliche Vorteile oder gar monetäre Einnahmen zu denken.

Viele andere Personen und Organisationen appellieren unentwegt an meine Vernunft, mein katastrophales Verhalten drastisch zu ändern, bzw. stark einzuschränken. Aktivistinnen und Expertinnen deuten schon das baldige Aussterben von Schimpansen an, während Holland in den Fluten versinkt, wegen der Gletscher und so.

Da kann für uns nur eine zusätzliche Co2- Steuer Abhilfe schaffen, ein weiteres Werkzeug, um noch ein Stückchen vom ohnehin schon gebeutelten Nettoeinkommen abzuknipsen. Ganz besonders schlaue Mitmenschen möchten den Sozialismus wiedereinführen, mit Verstaatlichungen und Enteignungen.

Und was mache ich, gibt es einen Lerneffekt, ein Verbesserungspotenzial zu erkennen?Ziehe ich Konsequenzen aus meinem fatalen Handlungssträngen?

Nein, leider nicht, während ich diese letzten Zeilen dieses Beitrages schreibe, blicke ich immer öfter auf den verbliebenen Schokoladenosterhasen der 200- Gramm- Klasse, wie eines der Versuchstiere von Iwan Petrowitsch Pawlow mit vermehrter Speichelsekretion beschäftigt, während ich weder über den künftigen Werdegang der Stanniol – Ummantelung, noch über die Lebensumstände der Kakaobohnen-Pflücker im Senegal oder in Panama nachdenke, wie immer!

Die Lage erscheint hoffnungslos, ich bin eben ein richtiger unverbesserlicher Schweinehund!

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