Von der Fähigkeit zu Überleben!

Unsere Vorvorvorfahren, oder unsere Urururahnen mussten bei ihren alltäglichen Umgang mit ihrer direkten Umwelt noch verdammt auf der Hut sein.

Ich meine die, die noch in Höhlen oder einfachen Zelten aus Fellen gelebt haben. Jederzeit konnte ein Säbelzahntiger aus dem nächsten Busch hervorschnellen, und dem Leben unseres Uronkels blitzschnell ein Ende bereiten.

Daher waren diese Menschen sicherlich mit einer sehr wachen physiologischen Wahrnehmung ausgestattet, konnten geringste Anzeichen bedrohlicher Natur deuten, und sich entsprechend verhalten. Ein leises Knacken eines Astes im Wald konnte erheblichen Unbill bedeuten, ein garstig gestimmtes Wollnashorn zum Beispiel, welches am frühen Vormittag selbstverschuldeten Ärger mit seiner Gattin hatte, und jetzt den unvorsichtigen Höhlenmenschen gern auf sein Horn nehmen würde, zum Abbau der aufgestauten Frustration.

von der fähigkeit 1 januar 2019_00000

Die Lebensspanne unserer Vorfahren war deutlich kürzer, es gab ja auch noch keine gesetzliche Krankenkasse, Trinkwasser aus bleifreien Rohren und in Zellophan eingepackte grüne Gurken im Supermarkt.

Trotzdem besaßen sie sicherlich eine Agilität,eine außerordentlich ausgeprägte Schärfe der Sinne, ein Alertsein der Umwelt gegenüber, die uns heute in Erstauen versetzen würde.

Heutzutage geht es uns natürlich viel besser, wir leben im Durchschnitt erheblich länger und haben für viele Arbeitsvorgänge Maschinen und Instrumente entwickelt, die uns das tägliche Leben deutlich erleichtern.Diese Unterstützung generiert einen Zeitgewinn für uns, eine Freizeit, in der wir uns mit anderen Dingen beschäftigen können, die nicht unmittelbar zum direkten Überlebensprozess gehören.

Klar, auch heute sind wir Gefahren ausgesetzt, Tausende von Mitbürgern werden jedes Jahr von sich schnell bewegenden Kästen mit Benzin- oder Dieselmotoren um ihr Leben gebracht, aber wir sind ja auch viel zahlreicher als damals, wo es für den Clan schon schmerzhaft war, wenn in der Nacht die Tante von einem riesigen Bären gerissen wurde.

Aber der moderne Mensch hat auch viele wunderbare Dinge in den letzten Jahrhunderten geschaffen, tolle Geschichten erdacht und in Bücher gebunden, komplexe Musikwerke arrangiert, obwohl es noch keinen elektrischen Strom gab, mit dem man die Gitarre oder den DJ- Plattenteller betreiben konnte.

Jetzt in der aktuellen Neuzeit gehen wir noch einen Schritt weiter und befassen uns mit Dingen, die man vor ein paar Jahren noch für unmöglich gehalten hätte.Uns interessiert nicht nur unser eigenes Schicksal, sondern wir setzen uns auch für andere Menschen ein, und bieten unsere Unterstützung auch für befremdlich klingende Themen an.

Wir sind inzwischen sogar schon so advanced und sophisticated, dass uns der Ist-Bestand nicht mehr ausreicht, wir erfinden in steter Folge neue Lebensformen, so schnell, dass der Mehrheit der genaue Überblick verloren geht. Aus der Presse entnehmen wir, dass in Bayern ein Abgeordneter der Grünen, der soeben mit Vornamen noch Wastl hieß, ab sofort Theresa genannt werden möchte, sie hat sich auch schon eine wunderschöne Perücke besorgt, sieht darunter aber noch genau so aus wie Wastl mit üppigem Haarersatz.

Wir unterstützen Autorinnen von Kinderbüchern per „Crowdfunding“, die uns glücklicherweise beibringen wollen, dass man zweijährigen Jungen nicht nur aus Abenteuerbüchern Geschichten von verwegenen Eroberern vorlesen soll, sondern besser von Wölf*innen erzählt,die sich für Samenspenden entscheiden oder von homosexuellen Gebirgsgazellen, deren Gesichter vermutlich leicht glänzen würden, wären sie nicht mit Fell bedeckt, die einen elektrischen Zitteraal adoptieren wollen, da sich bereits zu diesem Zeitpunkt die Geschlechtsvorstellung und die sexuelle Identität final auszubilden scheint.

Wir essen jeden Tag viel mehr als wir eigentlich benötigen, passen irgendwann nicht mehr durch die Tür, müssen von der Feuerwehr aus dem Haus geschnitten werden, um uns anschließend liter- und kiloweise das Körperfett absaugen zu lassen. Wenn man uns nach dem Sinn für diese  Handlungsweise fragen würde, deklariert man diesen Zustand einfach als Krankheit, und schon ist man aus dem Schneider der Eigenverantwortung, wir begeistern uns dann am Begriff „Body- Positivity!“

Wir drücken unser Bedauern aus für eine Lesbengruppe, die sich von der Gemeinschaft aller Homosexuellen diskriminiert fühlt, und daher ein eigenes Filmfestival für non- binäre Lebensformen in die Welt setzt.

Wir nutzen aber auch einen Teil unserer Freizeit für Unterhaltung und Information, lassen uns von Displays enormer Größe im Wohn- oder Schlafzimmer von den bewegten Bildern leiten, und verfolgen Stunden-oder auch tagelang quasi bewegungslos zweiundzwanzig überwiegend junge Männer mit Armen voller Tintenzeichnungen, wie sie scheinbar ohne Sinn und Verstand auf einer abgegrenzten Fläche hin- und herjagen, obwohl gar kein Untier hinter ihnen her ist, oder wir beobachten ebenso junge Frauen mit üppiger Oberweite im fernen Ländern beim Verzehr von tierischen Scheußlichkeiten.

Dennoch bilden sich aber auch in letzter Zeit leichte Zweifel ob unserer Überlegenheit gegenüber unseren Vorfahren, es scheint manchmal so, als ob wir unseren Höhepunkt bei der Ausbildung von Intelligenz überschritten hätten. Trotz all unseres Wissens und dem Verständnis unserer mehr als komplexen Umwelt gegenüber, scheinen wir die Fähigkeiten für die einfachen und grundsätzlichen Dinge des Lebens zu verlieren.

Wenn es einmal in vielen Jahren ein warmem und sonnenreichen Sommer gibt, ertrinken wir hundertfach in den Teichen, Seen und Tümpeln dieser Republik, teils weil wir vergessen haben, dass wir gar nicht schwimmen können, teils weil wir uns überschätzen, und unser Körper einfach schlappmacht, auch weil wir unmittelbar vorher einen halben Kasten Bier geleert haben.

von der fähigkeit 3 januar 2019_00000

Wenn es jetzt wie in den letzten Tagen in den Hochgebirgslagen ausgiebig schneit, brechen wir auf zum Skifahren unter abenteuerlichen Bedingungen, und verenden sofort unter einer selbst ausgelösten Lawine, obwohl wir uns doch so sicher fühlten mit unseren GPS- Smartphones und unseren Luftsäcken über dem Anorak aus atmender Kunstfaser. Das Gespür für den Schnee und alle anderen Elemente scheint verloren gegangen zu sein.

von der fähigkeit 2 januar 2019_00000

Wir besorgen uns pfeilschnelle Autoboliden mit bärenstarken Motoren, und wundern uns bei einer Ausfahrt mit unseren Freunden oder Cousins, dass wir bei regennasser Straße gegen den einzigen Betonpoller im Kreuzungsbereich fahren. Das Rückwärtseinparken verlernen wir scheinbar auch, brauchen elektronische Helfer, die uns mit Piepgeräuschen und optischen Anreizen durch eine nach hinten blickende Videokamera einweisen sollen, geben aber schon nach drei vergeblichen Versuchen auf.

Unser urzeitlicher Vorfahre hätte angesichts dieser Tatsachen vermutlich nur den Kopf geschüttelt, er wäre bei eifrigen Schneefall einfach in seiner mollig warmen Höhle geblieben, absolut sicher vor den Attacken eines hungrigen Bären, denn die schlafen ja um diese Jahreszeit!

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