All mein Leid wie weggesaugt!

In den letzten Tagen ging es mir nicht so gut, vor allem vom Kopf her nicht.

Ich habe wieder ganz schön zugenommen, mein Bauch ist fast schon fürchterlich dick, wenn ich mich mit dem Rücken an eine Wand lehnen möchte, merke ich deutlich wie der Fettschwabbel mich daran hindert. Es ist, als ob ein Exoskelett meinen eigentlichen Körper zumindest partiell umschließt, vor ein paar Wochen war er noch nicht da. Selbst meine Eltern, die ihren Sohn über alles lieben, haben in den vergangenen Wochen schon Bemerkungen fallen lassen, ich ich durchaus als schnippisch gelten lassen kann.

Klar, viele Familienpackungen mit leckerem Lebekuchengebäck, Wiener Würstchen im Sonderangebot und Vanille- Schaum-Pudding im 1- Liter- Tetrapack waren daran nicht unschuldig.

Um mich moralisch aufzubauen, habe ich mir natürlich emotionalen Support, Unterstützung in den Medien gesucht, eine Möglichkeit irgendwo in einem Forum mein Leid zu klagen oder sogar Gleichgesinnte zu finden.Dazu brauche ich nicht einmal aufzustehen, und kann dabei sogar noch eine Tafel Schokolade verdrücken.

Und natürlich enttäuschen unsere Medien nicht, sie stellen mir blitzschnell eine adäquate Begründung für meine Unpässlichkeit, wissenschaftlich natürlich akribisch recherchiert, zur Verfügung. SPON lässt mich einen Beitrag lesen, unter dem Titel:“Dicke werden in Deutschland ausgegrenzt.“

Puh, da bin ich beruhigt, die anderen sind schuld, vielleicht auch die Gesellschaft in der ich lebe,persönlich brauche ich mir keine Sorgen mehr zu machen! Ich bin krank, Adipositas ist ein offizielles Volksleiden, und alle schlanken Menschen sind töricht, denn sie stigmatisieren und diskriminieren mich, finden mich unästhetisch und grenzen mich aus.

Allerdings besitzt dieses Rüstwerk, dieses Unterstützungsmodul für die geschundene Seele, nur eine sehr kurze Halbwertzeit, der Frust stellt sich ziemlich rasch wieder ein. Dann sitzt man wieder mit geblähtem Leib auf seinem Küchenstuhl und überlegt, was man als nächstes verdrücken könnte.

Ein Teufelskreis setzt sich in Gang, Übergewicht erzeugt Frust, Frust erzeugt vermeintlichen Hunger und Appetit, Essen erzeugt noch mehr Übergewicht, ich sehe inzwischen aus wie das invertierte Abbild einer klassischen Sanduhr, wie ein „Inbetweenie“,wie ich ja neulich lernen durfte.

Dann heute der Knaller, die Rettung für mein Problem, ein Artikel in irgendeiner Zeitung lässt all den Unbill vergehen, wie eine Pusteblume im Orkan.

Jens Spahn, ein Mann der scheinbar politisch irgendwas mit Gesundheit und Wohlbefinden zu tun hat, erscheint mir wie ein Heiland mit seiner öffentlich zur Kenntnis gereichten Forderung nach Kostenübernahme für Fettabsaugungen durch die Krankenkassen.

Da fällt mir ein Stein vom Herzen, auf geht es gleich zum Supermarkt, Bockwürste sind im Angebot, 1200 Gramm für nur 4,99.- Euro, und Käsescheiben in der Ein-Kilo-Packung mit 48 Prozent Fettanteil ,aber mit 15 Prozent Preisvorteil!

all mein leid 1 januar 2019_00000

Ende März dann Besuch beim Hausarzt, Überweisung besorgen, und weg der Mist mit dem Sauger im Klinikum, Anfang Mai dann rank und schlank in die neue Badeshorts schlüpfen.

all mein leid 2 januar 2019_00000

Juhuuu, ich liebe mein Leben und dieses Land!

 

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