Ode an den Badelatschen

Superstylisch oder übler Fauxpass?

Jetzt, wo die Sonne hier in Berlin tagtäglich vom fast wolkenlosen Himmel scheint, und für tropische Temperaturen jenseits der magischen 30 Grad-Marke sorgt, fühle ich mich leicht und beschwingt, sorgenfrei und locker,jugendlich frisch und unbeschwert!

Natürlich gibt es schon wieder Leute, die sich über die „Hitze“ aufregen, und in ihren Äußerungen mir gegenüber auf akute Waldbrandgefahr und ausgedörrte Wiesenflächen in den städtischen Parkanlagen hinweisen möchten.

Diese negativen Assoziationen lasse ich mir aber nicht bieten, weise diese Anmerkungen schon im Ansatz durch adäquate Mimik und Gestik ein wenig brüsk zurück, und stampfe als Zeichen deutlichen Supportes meiner abweichenden Meinung mit meinen neuen Gummilatschen auf einer der Gehwegplatten des Bürgersteigs, auf dem ich mich gerade befinde!

 

Style oder Fauxpass Mai 2018_00000

Meine wunderbaren neuen Flipflops, die idealen Sommerschuhe, filigran und auf ein Minimum reduziert, versprühen geradezu Lebensfreude pur, das einfache unbeschwerte Leben steht im Vordergrund, wenn ich mich elegant und mit relativ schmalem Fuß durch die urbane Stadtlandschaft schlängele,natürlich auch um den Tretminen auszuweichen, die die extra angeschafften Tiere älterer Damen, nur allzu gern ohne vorher festgelegten Verteilungsplan hinterlassen.

Flipflops,Flipper,Badelatschen mit Zehentrenner, sind schon seit Jahrzehnten mein ständiger Begleiter. Kennengelernt habe ich sie vor Urzeiten im sonnigen Kalifornien, und nach Ende des Urlaubs problemlos adaptiert an hiesige Verhältnisse im eher doch trüben Berlin.In den verschiedensten Varianten trage ich sie auch als Hausschuh, gern auch mit Socken um der winterlichen Kühle entgegenzuwirken.

Jetzt habe ich aber gestern in einen Beitrag einer scheinbar noch relativ jungen Frau in der Online-Ausgabe einer Zeitung für die nicht ganz so Schlauen erfahren müssen, dass Männer Flipflops überhaupt nicht tragen sollten, auch bei 30 Grad und mehr im Schatten nicht,außer am Strand vielleicht. Diese Aussage trieb mir natürlich das Entsetzen ins leicht verschwitzte Gesicht, und ich blies die Wangen im Entrüstungsmodus leicht auf.

Die Autorin verweist auf üppig behaarte Männerfüße mit vom Pilz befallenen Nägeln, die sich bereits zu kringeln beginnen, sie redet von rissigen Fersen und dunklen Verfärbungen.

Diesen Statements muss ich vehement widersprechen,die vorgebrachten Kritikpunkte mögen im Einzelfall stimmen, gelten aber nicht für mich.

Ich denke meine Füße sind relativ gepflegt, die Nägel akkurat geschnitten, obwohl dies nicht ganz so einfach ist, da sich bei mir die Füße ganz unten am Ende der Beine befinden, und mir mein Bauchumfang temporär die Sicht auf meine Gehwerkzeuge versperren kann.Ich habe nicht mit Hornhautablagerungen zu kämpfen und auch die Behaarung hält sich bis auf wenige vereinzelt wuchernde Büschel in Grenzen.Wenn die Zeit ausreicht,schmiere ich sie sogar mit Melkfett ein, sofern es Zitronenaroma enthält.

Für mich sind Flipflops aber noch viel mehr, sie sind Ausdruck einer unbegrenzten Freiheit die man für sich in Anspruch nehmen sollte,sie sind sozusagen der Störtebeker und der Che Guevara der Schuhwelt, Befreier und Bewahrer der männlichen Emanzipation.

Sie stehen auch für ein reines Gewissen des Trägers, für Offenheit im Berufsleben, für Korrektheit dem Vertragspartner gegenüber, den wer nichts Böses im Schilde führt,braucht sich auch nicht zu verkleiden.

D und G Mai 2018_00000

Ich selbst habe schon meine lukrativsten Aufträge in Flipflops, kurzen Shorts und T-Shirt eingeholt, einfach weil das legere Auftreten Vertrauen beim Kunden geschaffen hat.Natürlich hat nicht jeder die Möglichkeit irgendwelchen Kleidervorschriften zu entgehen, wie ich als freischaffender Hungerkünstler.

Der Bundeswehrsoldat am Hindukusch wird wohl kaum in Flip Flops auflaufen, obwohl seine potentiellen Gegner durchaus ein Faible für diese Variante des Schuhwerks entwickelt haben.

Ebenso wird man niemals einen Banker in Badelatschen sehen, beim Versuch dem Kunden ein windiges Finanzprodukt anzudrehen.Ein handgenähter Rahmenschuh aus Echtleder im Budapester Stil soll Eloquenz und Kompetenz ausdrücken, und von Unredlichkeiten im Geschäftsgebaren ablenken.

Zurück jedoch zum König der Freizeitschuhe, der leider auch ein negatives Bild abgeben kann, wenn er von der holden Weiblichkeit getragen wird.

Oft schon habe ich an der Supermarktkasse sehr junge Damen erheblicher Dimensionen erblicken müssen,wo die konstante Zentnerlast die Flippersohle zu einer hauchdünnen, luftlosen Substanz zusammengedrückt hat,wo wuchernde Schrundengebilde im Hakenbereich an ein üppiges Stück Parmesan-Käse oder eine Steilküste in Südaustralien denken lassen,wo von den Riemen zwischen den Fettpolstern auf dem Rist nichts mehr zu entdecken ist.

So,jetzt ist die Luft der Empörung ein wenig entwichen, dieses kleine Tantrum bei dieser Hitze musste jetzt einmal sein, ich lasse mir meinen Spaß mit den Flipflops nicht durch spießige Zeitungsschreiberinnen verderben. Basta!

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