The Shape of Water zum Sonderpreis

Nein,nein,nein, ich wollte mir wirklich den Besuch dieses Films ersparen, der Trailer hatte mir nicht gefallen, und Liebesgeschichten mit im Wasser lebenden Individuen stehen auf meiner Lieblingsthemenskala eher ziemlich weit unten.

Mein Versuchsportfolio zur Abwehr des Kinobesuchs war wirklich breit gefächert,ich bot an, einen mehr als leckeren Käsekuchen zu backen,obwohl selbstgefertigte Konditoreiprodukte absolut nichts mit meinem Leben zu tun haben.Ich hatte versprochen eine niedliche Osterdekoration zu basteln, die unter anderem auch einen Hasenkopf aus Pappe und Styropor mit überzogenem Gipsmantel,Knopfaugen und einer Perle mit Drähten als  Nase und Tasthaare beinhalten sollte.Selbst meine ungewöhnlichste Offerte, die ganze Wohnung vom Staub zu befreien, und die Fenster für den kommenden Frühling aufzufrischen, fruchtete nicht.

Vergeblich, alle meine Versuche am gestrigen Mittwoch die Filmvorführung zu vermeiden, scheiterten schon im Ansatz.Aber ich wollte doch wirklich nicht!

 „The Shape of Water,“ der heiße Oscar-Anwärter, nominiert in dreizehn Kategorien, stand auf dem unvermeidlichen Tagesprogramm!

Ein paar Stunden später stand ich notgedrungen an der Kinokasse in einem kleinen Kino irgendwo in, an oder bei den Hackeschen Höfen in Berlin, und bat um die Herausgabe von zwei Billetts gegen Bezahlung.

„Acht Euro“ tönte es aus dem Inneren des Kassengehäuses, „für zwei Tickets?“fragte ich verunsichert nach,“ja, verbilligte Sondervorstellung, ham se den nüscht weiter bei?“, erschallte es als rätselhafte Antwort.“Nö“, antwortete ich wiederum verblüfft!

Naja, wenigstens Geld gespart, für diesem Film,vermutlich ist er auch nicht mehr wert.

Misslaunig, und vom Anflug einer leichten Verzweiflung tangiert, betrat ich den Vorführsaal,und war von der Winzigkeit des Raumes beeindruckt.Außer uns waren vielleicht zwanzig weitere Gäste eingetroffen, manche saßen schon, andere hatten auffällig große Behältnisse bei sich, die man nicht unbedingt bei einem Kinobesuch vermutet.

Ein paar Sitze von uns entfernt in unserer Reihe saß ein verhältnismäßig junger Mann, der einen ziemlich großen Seesack, innen mit Plastikfolie ausgeschlagen,über den oberen Rand reichend, neben sich abgestellt hatte, der sich gelegentlich zu bewegen schien.

Als ich auf diesen ungewöhnlichen Zustand hinweisen wollte, wurde ich sogleich von meiner Begleitung zur Ordnung  gerufen und zur Aufmerksamkeit gegenüber dem gerade beginnenden Film aufgefordert.

Der Film ist optisch sehr ansprechend gestaltet, das sieht man auf dem ersten Blick, alles ist von der Farbkorrektur in ein grünliches Licht getaucht, manchmal aber auch blaustichig oder goldfarben.

Wenige Minuten nach Beginn der Vorstellung öffnete sich die Tür im Kino, und eine sehr elegant gekleidete Frau mit einer großen Louis Vuitton- Reisetasche, aus der ebenfalls folienähnliche Verkleidung hervorlugte, begab sich zu ihrem Platz. Es schien mir, als ob auch dieses Behältnis über ein Eigenleben verfügte.

Zum Film selber kann ich jetzt nicht so viel sagen, eine Reinigungskraft, die nur wenig Worte zu verlieren scheint, entdeckt in einen geheimen Labor eine Art Aquaman,einen Quastenflosser in menschenähnlicher Gestalt, der in einem Wassertank sein Domizil aufgeschlagen hat, und von der Hauptdarstellerin mit Hühnereiern gefüttert wird.

Zwischenzeitlich muss ich auch noch angedeutete Masturbationseinlagen der Protagonistin in der Badewanne ertragen, vergebliche Flirtversuche eines alten homosexuellen Mannes mit künstlichem Haarteil bei einem Kuchenverkäufer zur Kenntnis nehmen, und peinliche Steptanzkapriolen dulden.

Ich taumle vor Langeweile und Mißvergnügen, blicke gelegentlich zum zuckendem Seesack hinüber und denke an den aus meiner Sicht wunderbaren Film von 1989 „The Return of the Swamp Thing“, mit Heather Locklear in der menschlichen Hauptrolle. Sie war auch viel hübscher, kein Wunder dass sich das grüne Ding haltlos verliebt hatte.

Auf der Leinwand erscheint irgendwann ein ziemlich böser Mann, der den Kiemenatmer mit einem Stock ärgert, irgendwann liegt der Gepisackte in der heimischen Badewanne der Reinigungsfachkraft wegen akuter Austrocknungsgefahr, auch weil sich eine mehr als zarte Bande zwischen den beiden entwickelt hat.

Ich langweile mich, und denke an einen gar nicht so unpassenden Song von George Clinton´s Parliament aus dem Jahre 1978 mit dem fast unaussprechlichem Titel „Aqua Boogie (A Psychoalphadiscobetabioaquadoloop)“. Während der imaginäre Song mit der Textzeile „I told ya I can´t swim!“ in meinem Kopf herumspukte und einen meiner Füße zum Wippen brachte, bemerkte ich wie der junge Mann ein paar Sitze neben mir, einen riesigen und sehr schweren Süßwasserfisch mit gewaltigem Maul und Glupschaugen aus seinem Sack heraus wuchtete, mit ihm zu sprechen begann und ihn zärtlich über den schuppigen Körper strich.

 

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Als biologisch nicht völlig ungebildeter Mensch erkannte ich sofort einen Vertreter der Knochenzünglerartigen in dem Fisch, einen Arapaima, einem für Peruaner sehr leckeren Speisefisch, von immerhin geschätzt einmeterundzwanzig Länge und etwa vierzig Kilogramm Lebendgewicht.Mit einer Sprühflasche befeuchtete der junge Mann seinen zuckenden Freund, weit öffnete sich das oberständige Maul, um Luft mit einem lauten Schluckgeräusch aufzunehmen.

Meine Begleitung war augenblicklich starr vor Schreck und Widerwillen, ich konnte ihr Entsetzen im Gesicht deutlich ablesen.

„Wo sind wir den hier bloß gelandet?“ fragte Sie mich.“In einem Film den Du unbedingt sehen wolltest“, antwortete ich voller Genugtuung, aber auch mit einiger Beunruhigung.

Die attraktive Frau hob in der Zwischenzeit ebenfalls einen ungeheuer großen Karpfen aus ihrer teuren Reisetasche,und rief dem Fisch jedes Mal wenn der Aquarianer auf der Projektionsfläche erschien zu,“na wer ist denn da,guck doch mal,dein Freund, der Aquaman?“, das der Fisch mit einer langsamen Öffnung seines dicklippigen Mauls zu beantworten schien.

 

Die Form des Wassers 3_00000

„Los bloß raus hier,“ rief meine Begleitung, während Sie fast die Contenance zu verlieren schien, und mich unsanft durch die Sitzreihe Richtung Ausgang stieß.

Als ich die Saaltüre öffnete, bemerkte ich noch einen anderen scheinbar stark gehemmten Mann hinter uns, der ein Glas mit einem Goldfisch vor sich hielt, und leichte Schaumblasen in den Mundwinkeln hatte, also der Mann, nicht der Fisch.

In Eingangsbereich des Lichtspielhauses stürzten wir sofort ans Kassenhäuschen und klagten unser Leid.

„Na, wat wolln se denn, verbilligte Sondervorstellung, hab ick doch vorhin schon gesagt,“ erwiderte die Eintrittskartenfrau im Kabuff.

„Det jibt eben nicht nur Frauen, die sich in Aquamänner verlieben wie im Film, sondern auch Männer und Frauen, die sich in Fische vergucken. Und für dieses Klientel ist die heutige Sondervorstellung zum verbilligten Eintrittspreis! Ham se det jetze verstanden, oder wat?“

Ja, wir hatten verstanden! Ein wenig später saßen wir noch im einem Schnellimbiss ganz in der Nähe, ich war begeistert,hatte ich doch die Vorführung vorzeitig verlassen können, und biss in einen herzhaft gewürzten Fischburger, während sich meine Begleitung, im diesem Falle fast verständlich, für eine vegetarische Variante entschieden hatte.

Ein aufregender Tag neigte sich langsam einer eisigen Nacht entgegen.

Heute erfuhren wir, dass die Hauptdarstellerin in späteren Verlaufe des Filmes direkten sexuellen Kontakt mit dem Wassermann hatte, und kurz vor dem Ende einen Satz eigener Kiemen ausbildet.Da waren wir schon ganz froh, zu diesem Zeitpunkt dem Treiben der Zuschauer mit ihren Fischen zwischen den Kinositzen entfleucht zu sein!

 

Die beiden Karpfenbilder habe ich mir bei Pixabay „entliehen.“

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2 Gedanken zu “The Shape of Water zum Sonderpreis

  1. eingefangenemomente

    Öh gibt es den Film tatsächlich oder ist das nur eine gute, wie ich finde, Geschichte? Erinnert mich ein bisschen an Rocky Horror 😉 da ging ich auch mit Mitspieltüte hin 😉 aber ohne Strapse, l G aus Kiel

    Gefällt 1 Person

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