Wohin steuern wir?

Morgen beginnen wieder einmal die Filmfestspiele in Berlin, reichlich mit Sponsoren von Rang und Namen ausgestattet, wie Audi, Lòréal oder das ZDF mit seinen üppigen Zwangsgeldern, sorgen zweifelsfrei für ein Gelingen dieser Veranstaltung.

Und natürlich sind wir neben den zahllosen Filmvorführungen der kommenden Tage auf politische Machtdemonstrationen gespannt, auf Zeichensetzungen zu bestimmten Themen.

Wird frau wieder eine dunkle Robe bevorzugen,drapiert mit einer Reinheit ausstrahlenden Blüte einer weißen Calla,trägt man Turnschuh, um ein Statement gegen den vorherrschenden Schönheitszwang in Form eines Stöckelschuhs anzukreiden, oder lässt man sich etwas Abweichendes einfallen? Veröffentlicht man neue Verfehlungen bekannter Persönlichkeiten, auch wenn sie schon Dekaden zurückliegen?

Vielleicht dürfen wir auch wieder den Anblick der Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages ertragen, wie Sie mit weit aufgerissenem Mund und viel zu viel sichtbaren Zahnfleisch ihre Begeisterung und ihr politisches Statement zur Schau trägt.Eventuell beschränkt Sie sich aber auch auf ein paar Buchstaben auf dem Wanst, der inzwischen fast die Ausmaße einer Erfindung eines Herrn erreicht hat, der am 27. Dezember 1874 in Wiesbaden verstorben ist.

Ziemlich sicher dürften weitere Enthüllungen gröbster Verfehlungen kniffliger Natur sein, denen sich gewisse Herren schuldig gemacht haben.

Da wird die Erinnerung wieder wach, „Schauspielerinnen“ erinnern sich nach achtunddreißig Jahren noch ganz genau, wie sie hilflos halbnackt durch das Schlafzimmer geworfen wurden,von unfassbar kräftigen Berserkern in ihrer Bewegungsfreiheit limitiert wurden. „Schauspielerinnen“, die uns in Werken wie „Derrick“, „Die Damen vom Grill“ oder „Das Traumschiff“ durch ihr cineastisches Talent begeistert haben, und erst jetzt ihre Besinnung zurück erlangt haben, um mit uns über ihr Leiden zu sprechen!

Es versteht sich von selbst, das ich Übergriffe dieser Art gänzlich ablehne und eine entsprechende Ahndung begrüße, aber ob diese ganzen Geschichten „alternder Diven“, die zum großen Teil niemand mehr kennt, dazu gehören, wage ich zu bezweifeln.

Welche Auswirkungen wird dieses Verhalten und andere Prozesse, die sich gegenwärtig entwickeln auf die Filmproduktion der Zukunft haben?

Mit anderen Prozessen meine ich eine Gleichschaltung noch nie dagewesenden Ausmaßes, Menschen unterschiedlicher Rassen und körperlicher Erscheinung müssen paritätisch auf dem Bildschirm präsentiert werden, um Entrüstungsstürme von „Filmaktivisten“ zu vermeiden, und Diskriminierungen und Stigmatisierungen auszuschließen.

Darf in einer künftigen Filmproduktion zum Beispiel ein (zwergwüchsiger) von der Schwerkraft besonders erfasster Mensch noch als „kleingewachsenes Individuum“ gezeigt werden, oder ist hier schon die Schwelle zur Verunglimpfung überschritten?

Peter Dinklage, ein zur Zeit sehr gefragter Darsteller hat einen Film in der Mache, namens „The Dwarf“, also scheint noch Einiges möglich, vermutlich aber nicht wirklich.

Vor ein paar Wochen habe ich einen Film, größtenteils im Schnellvorlauf, gesehen, in dem Herr Dinklage einen Menschen spielt, der auf der Suche nach den letzten Worten seines verstorbenen Bruders ist.Im Rahmen der Filmhandlung recherchiert er bei verschiedenen Leuten, die er zum Teil aufsucht, um bei seinen Ermittlungen weiterzukommen.

Dabei erspähen wildfremde Menschen Herrn Dinklage in seiner Filmrolle ein allererstes Mal, und niemand ist auch nur eine Millisekunde überrascht, einen sehr kleinwüchsigen Menschen vor dem Eingangsportal stehen zu sehen. Niemanden entweicht ein „oh“, „oops“ oder „huch“! Alles ist geglättet und entgratet,gleichgeschaltet und weichgespült,realistische Reaktionen bleiben aus,sind aus dem Drehbuch entfernt.

Filmfest 208 Feb 14_00000

Der Film heißt übrigens „Rememory“, und hätte, wenn ich entweder Siskel oder Ebert sein dürfte, keinen einzigen aufwärts gerichteten Daumen erhalten!

Allerdings gab es in dem Film „Three Billboards outside Ebbing,Missouri“ eine deutlich realistischere Darstellung des Lebens und der Umstände eines kleinwüchsigen Menschen, man muss abwarten, wie sich die Sache weiterentwickelt.

Zum Schluss möchte ich noch ein Beispiel anführen, welches im starken Kontrast zu den ganzen Enthüllungen dieser Tage steht.

Was hat sich die junge Dame gedacht, als Sie sich für die winzig kleine Nebenrolle eines weiblichen Replikanten in dem Film „Bladerunner 2049“ einschreiben ließ? Ein nur wenige Minuten dauernder Auftritt, vollkommen unbekleidet, mit einer Senf-Curry-Paste eingeschmiert, der nackte Körper in seiner ganzen Verletzlichkeit für den geifernden Kinobesucher sichtbar.Natürlich wird sie gemeuchelt, ohne auch nur eine einzige Silbe gesprochen zu haben.

Ist diese junge Akteurin nicht eine unglaubliche Verräterin an der weiblichen Aufholjagd nach Gleichheit und entsprechender Berechtigung, und bedient nur all zu bekannte Vorurteile männlicher Überlegenheit durch jederzeitige Verfügbarkeit?

 

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Warum hat sie nicht auf die Rolle verzichtet und lieber kleine in Stanniolfolie gewickelte „Beef-Patties“ bei „7-Eleven“ in den Aufwärmofen gelegt. Ist doch ehrenwert, oder etwa nicht?

Werden wir von dieser Dame in vielleicht fünfundzwanzig Jahren, wenn sie den finanziellen Durchbruch geschafft hat, aber aufgrund des zunehmenden Alters die Rollenangebote nachlassen, ebenfalls Enthüllungsberichte in den Schmonzetten dieser Welt entnehmen?

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